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Aus: Verantwortete Partnerschaft. (PDF-Download, 282 KB)
Grundsatzüberlegungen zur homosexuellen Liebe.
Vorgelegt von der Kirchenverwaltung der EKHN, Referat Verkündung und Seelsorge, Oberkirchenrat Reinhard Bertram. Darmstadt im Januar 2002, S. 16f.

Segen ist die Kraft Gottes, der das Leben geschaffen hat und nun das Leben, in dem er es segnet, schützt und behütet, fördert, wachsen und weitergeben lässt. Segen ist das Gegenteil von Fluch: Segen ist die Macht gegen das Bedrohende, das Zerstörende; Segen widerspricht dem Bösen und deckt es auf. So ist Segen zugleich eine bejahende und eine kritische Kraft.

Der Segen Gottes, den Menschen an andere Menschen weitergeben, schließt immer beides ein, den Zuspruch und den Anspruch des Evangeliums. Deswegen haben Segenhandlungen vor allem an wichtigen Übergangsstellen des Lebens ihren Platz. Es geht um Gottes Geleit an der Schwelle zu etwas Neuem.

Segen kann bei vielen Gelegenheiten zugesprochen werden: 

  • zum Schulanfang,   
  • zum Eintritt ins Berufsleben,
  • zum Bezug einer neuen Wohnung,
  • zum Beginn eines neuen Dienstauftrages. 

Segen meint Gottes Zuwendung zum Menschen.

Stellungnahme des ständigen Theologischen Ausschusses der Evangelischen Kirche von Westfalen“, Seite 1 f.

"Segen eröffnet die Möglichkeit, das Leben als Gabe und als Aufgabe neu zu qualifizieren und zu gestalten, so in der Gottesbeziehung für die Menschenbeziehung einzutreten, an ihr zu arbeiten.

Der Segen, den die Menschen einander im Namen Gottes zusprechen, hat bejahende Kraft: Er bestärkt Menschen, lässt sie einander zum Segen werden, eröffnet Zukunft und ermutigt zu Neubeginn. Segen verbindet das Handeln Gottes, mit dem er sich dem Menschen in seiner kreatürlichen Bedürftigkeit zuwendet, mit dem Handeln Gottes, das den Menschen rettet aus Schuld. So hat Segen zugleich auch eine kritische Kraft. Er beansprucht das, was gesegnet wird für Gott und nimmt es damit aus dem Anspruch anderer Mächte heraus. Segen markiert eine kritische Absage dort, wo Menschen meinen, sich selbst genügen zu können und Gottes und anderer Menschen nicht zu bedürfen und insbesondere dort, wo sie sich Herrschaft und Verfügungsmacht über andere anmaßen."

„Ulrich Heckel „Segnung und Salbung,“ Kerygma und Dogma 47, 2001, S.146–155

„Die deutschen Worte »segnen« und »signieren«, stammen vom selben lateinischen Wort »signare« ab. Dieses bedeutet, »etwas mit einem Zeichen versehen«, »bezeichnen«, »siegeln«. Damit erinnert das Wort Segen selbst an die Tradition, Segensworte mit dem Kreuzeszeichen zu verbinden.

Segen ist im christlichen Verständnis immer Segen des Dreieinigen Gottes und deswegen ist in ihm auch die durch Christus geschenkte Rechtfertigung des Sünders enthalten. Damit gibt es einen inneren Zusammenhang mit der Taufe: Segnungen sind Bestätigung und Bekräftigung der Gotteskindschaft, die in der Taufe ihren Anfang genommen hat.“

Damit ist deutlich: Segen knüpft nicht an eine Voraussetzung, eine Vorbedingung bei den Menschen an, sondern ist bedingungslose und gnädige Zuwendung Gottes. 

Michael Meyer-Blanck:  „Inszenierung des Evangeliums“, Göttingen 1997, S. 124

„Der Segen ist Zuspruch mit starken Anteilen von Gebet, weil das Entscheidende, das Handeln des segnenden Gottes ist und nicht das Handeln von Menschen. Andererseits ist der Segen eben kein Gebet, weil nicht Gott der Adressat ist. Es wird vielmehr der Mensch im Namen Gottes angesprochen.“   

Deswegen bedeutet »segnen« keineswegs, das Verhalten von Menschen, ihren Eigenarten, Gewohnheiten und Beziehungen einfach gut zu heißen, „abzusegnen“. Vielmehr ist im Segen der Anspruch enthalten, dass Menschen ihr Leben, ihre Gemeinschaft im Angesicht Gottes führen. Segen bedeutet, die Zusage der heilsamen, tröstenden, stärkenden Gegenwart Gottes, und er ist zugleich der Auftrag, das Leben ganz nach dem Willen Gottes in Frieden und Liebe zu führen. Das kann für homosexuelle Paare genauso gelten wie es schon immer für die heterosexuelle Ehe gilt.

Die Paare, die um Gottes Segen bitten, hoffen darauf, dass Gottes Gegenwart in ihrem Leben miteinander und für andere Gestalt gewinnt. Sie bringen damit zum Ausdruck, dass sie nicht übereinander verfügen, sondern sich gegenseitig als Ebenbilder Gottes annehmen und achten wollen. Sie bitten um Gottes Zuwendung und Begleitung, weil sie wissen wie gefährdet, unvollkommen und verletzlich menschliche Beziehungen sind.

Ihre Bitte um Segen macht deutlich, dass sie nicht nur in ihrer individuellen Prägung, sondern auch ihre Zusammengehörigkeit, ihre Partnerschaft als von Gott gegeben, an- nehmen und unter den Schutz Gottes stellen wollen. Sie bitten um Gottes Geleit, weil sie wissen, dass sie Ihr Leben nicht aus eigener Kraft bewältigen, sichern und schützen können. Durch den Segen wollen sie in das Wirkfeld des Friedens Gottes hineingenommen werden und so das Gelingen ihres gemeinsamen Lebens unter Gottes Verheißung stellen.

Der Segen gilt den Menschen in ihrer besonderen Situation und auf ihrem gemeinsamen Weg, auf dem Gott bei ihnen ist und sie stärkt in der verantwortlichen Gestaltung ihrer Partnerschaft.

Es gibt auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Menschen, die so glauben und auf Gott vertrauen. Deshalb bitten sie um seinen Segen.

Kirche kann darauf vertrauen, dass dort, wo sie im Namen und Auftrag Gottes den Menschen Segen zuspricht, der Zuspruch und der Anspruch des Evangeliums wirksam wird. 

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